Reisebericht Menorca

Mit dem Fahrrad auf Menorca


Von Horst Blume

Menorca ist in der Regel viel ruhiger und beschaulicher als die Nachbarinsel Mallorca. Die Berge – oder besser gesagt, die Hügel – sind hier nur wenige hundert Meter hoch. Wenig „spektakulär" also, wenn man von den Steilküsten am Meer einmal absieht. Der Westen von Menorca, den ich bereist habe, ist für spanische Verhältnisse ein Fahrradparadies! Von der Stadt Ciutadella aus sind viele Sehenswürdigkeiten in ein oder zwei Stunden mit dem Fahrrad zu erreichen – größtenteils auf Fahrradwegen! Wer eine nicht so gute Kondition hat, muss sich natürlich auch bei kleinen Hügelchen oder bei stärkeren Winden in den kühleren Jahreszeiten etwas anstrengen. Aber das hält sich im Rahmen. - 25 Euro für drei Tage Fahrradnutzung bezahlt und schon geht es auf eine Entdeckungsreise, während der man mehr sieht als beim Autofahren.

Menorca bei Google Maps

Citutadella

Ciutadella eignet sich nicht nur hervorragend als Ausgangspunkt für Exkursionen, sondern lädt mit seiner im maurischen Stil gebauten Altstadt, den zahlreichen gossen Plätzen und der Hafengegend gleich für mehrere Tage zum Verweilen ein.

Der Hafen von Ciutadella

In die etwa einen Kilometer lange fjordartige Bucht laufen die Schiffe aus Mallorca ein. Über den Hafen prangt malerisch das mächtige Rathaus, an den sich ein Platz mit einem Denkmal und ein schöner Park mit vielen hohen Bäumen, Gastronomie, Bänken und Spielplätzen anschließt. Nicht nur hier pulsiert abends das Leben, sondern auch in den Gassen der benachbarten Altstadt mit ihren Bogengängen und kleinen Geschäften. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut die alten Häuser noch erhalten sind. In der Abendsonne kann man hier wunderschöne Fotos machen.

Der zentrale Park von Ciutadella
Ciutadella

Die Altstadt von Ciutadella im Westen von Menorca
Die Altstadt von Ciutadella

Etwas versteckt im Altstadtgässchengewirr liegt die Markthalle am Place de la Libertat. Auch hier Bogengänge, kleine Geschäfte, Cafes – und passend zum Namen dieses Platzes das Versammlungshaus der modernen anarchistischen Gewerkschaft CGT (1). Wer ein bischen Spanisch kann, sollte abends mal reinschauen, um diese in Deutschland ziemlich unbekannte Form der Gewerkschaftsarbeit näher kennenzulernen.

In Ciutadella selbst gibt es keinen Sandstrand. Dazu muss man ein paar Kilometer weiter eine der vielen kleinen Badebuchten aufsuchen. Bei klarer Sicht ist die Nachbarinsel Mallorca vom Ufer aus zu sehen. Abends blinkt aufgeregt und etwas irritierend ein Leuchtturm die Küste an. Ausserhalb der Altstadt, wo die Neubausiedlungen beginnen, liegt etwa 300 Meter vom sichtbaren Ufer entfernt das preiswerte Hotel "Madrid" an der Madrider Strasse in völlig ruhiger Umgebung (im Gegensatz zu vielen Drei- und Viersternehotels). Wer schlank genug ist, um sich in das enge Badezimmer zu zwängen und nicht übermässigen Komfort erwartet, ist hier genau richtig.

Badebucht bei Cala Morell
Badebucht vor Cala Morell

Der Hafen von Cala Morell
Der Hafen von Cala Morell

Etwa 10 Kilometer nördöstlich von Ciutadella liegt das Naturschutzgebiet La Vall. Kurz vor Cala Morell biegt man mit dem Fahrrad rechts ab und erreicht nach ca. zwei Kilometern den Eingang. Ab 550 Fahrzeuge wird die Zufahrt für Autos gesperrt. Wanderer und Fahrradfahrer können Die Steilküste bei Calla Morellweiter. In der Vor- und Nachsaison fahren nur sehr Wenige in dieses Naturschutzgebiet, bei dem sich mit Seegras bewachsene Dünen, Pinienwälder, Schwemmland und Naturweiden abwechseln. Lediglich 3 Gehöfte habe ich gesehen. Ziele sind neben der eindruckvollen Steilküste die beiden einsamsten und schönsten Sandstrände von Menorca: Cala d´Algairens. Hier lässt es sich aushalten! Wer will, kann entlang der Steilküste wandern und sich den nächsten kleinen Strand ansehen.

Auf dem Rückweg mache ich einen Abstecher nach Cala Morell. Es ist eine geologisch interessante, sehr felsige Gegend mit auch farblich ungewöhnlichen Gesteinsformationen. Menorca PferdezuchtSie sieht aber ein bischen wie eine karge Mondlandschaft aus.

Viele Reiche haben hier ihre Ferienhäuschen errichtet. Nach ganz unten in den geschützten kleinen Hafen fahre ich mit dem Fahrrad lieber nicht; der sehr steile Rückweg schreckte mich ab. Nach einer Stunde habe ich mich an der Steilküste sattgesehen. So schön finde ich diese verbaute Gegend nun nicht.

Folgt man in Ciutadella selbst dem nördlichen Ufer der langen Hafenbucht, ergeben sich viele interessante Aussichtspunkte. Man kommt an Pferdehöfen vorbei, wo die Tiere friedlich weiden, bis sie ihren grossen Tag bei den für Menorca typischen Pferderennen haben.

Es folgen verschiedene kleine bebaute Buchten, die aber noch alle recht idyllisch wirken. Hier hat der Pauschaltourismus noch nicht zugeschlagen.

Eine für Menorca typische kleine Bucht
Eine der vielen kleinen Buchten

Ciutadella vom Hafen aus gesehen
Ciutadella vom Hafen aus gesehen

Etwas weiter in Cala Blanes dann der Schreck: Riesenhotels, billige Animation überall, Supermärkte, Kitsch, Kommerz, viele Engländer. Nichts wie weg hier!

Alter Weg La vall

Ein schöner Tagesausflug führt von Ciutadella auf schmalen, selten frequentierten Landstrassen zur Südküste nach Son Saura. Unterwegs fahre ich durch eine vielgegliederte, landwirtschaftlich genutzte Landschaft. Bauernhöfe, Steinmauern, Hecken und Weiden. Frei laufende scheue Ferkel suchen Futter und Abenteuer. Sie laufen vor mir her und werden vom Fahrrad aus von mir fotografiert. Zwischendurch einige seltsame prähistorisch anmutende Steinhäuser. Sie sind aber neueren Datums und dienen als Viehunterstände. Jetzt befinden wir uns im ländlichen Menorca. Nur auf einem Hauptverbindungsweg fahren ein paar Dutzend Touristenautos zur Sandbucht. In der Hochsaison dürfte hier mehr los sein, aber jetzt finde ich noch ein ruhiges Eckchen. 

Dann fahre ich wieder ein paar Kilometer zurück und suche meinen Weg nach Cap d´Artrutx. Dies ist ein gesichtsloser Retortenort mit viel Rummel, Massentourismus und einem grossen Leuchtturm. Hier bleibe ich nicht lange und fahre ausnahmsweise auf der vielbefahrenen Hauptstrasse zurück in Richtung Ciutadella. Nach ein paar Kilometern biege ich wieder ab zur Küste nach Santa Maria und Santandria. Hier finde ich Buchten, die recht reizvoll und noch nicht so überlaufen sind. 20 bis 30 Fahrradminuten südlich von Ciutadella sind sie schnell erreichbar. Diesen Vorteil werde ich gleich mehrmals für kurze Besuche nutzen.

Begräbnisstätte

Etwa fünf Kilometer östlich von Ciutdella befindet sich an der Hauptstrasse gelegen „Es Tudons", eine kollektive Begräbnisstätte aus der Zeit 1.000 vor unserer Zeitrechnung. Sie wurde mit mittelgroßen Steinen ohne Mörtel zusammengefügt und erinnert an ein umgekehrtes Boot. Der winzige Eingang ist versperrt. Das älteste Bauwerk der Insel ist von einer kreisförmigen Steinmauer umgeben. Der Eintritt beträgt etwas teure 3 Euro, denn in zwei Minuten hat man im Grunde alles gesehen.

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Mit dem Bus kann man von Ciutadella ohne Probleme zum mit 140 m höchstgelegenen Städtchen Ferreries fahren. Der Ort ist nicht sonderlich interessant., dafür aber die Landschaft in der Umgebung. Geht man auf der Strasse PM-714 Richtung Süden und biegt dort nach einigen hundert Metern rechts auf einen historischen Reitweg ab, erreicht man nach insgesamt fast zwei Stunden die wunderschöne Schlucht „Barranc d´Algendar". Unterwegs durchquert man eine durch Steinmauern, Baumreihen, Büschen und Feldern vielgegliederte Landschaft bis man in der Schlucht selbst eine üppig wachsende Vegetation und einen Bach antrifft. Besonders wenn es heiss wird, findet man hier noch viel Schatten. Sehr empfehlenswert!

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Am anderen Ende der Insel liegt die jetzige Inselhauptstadt Mahon, kurz Maó genannt. Was wäre Mahon ohne seinen Hafen, angeblich der zweitgösste Naturhafen der Welt?? – Etwas langweilig, verglichen mit Ciutadella. Natürlich gibt es hier viele Cafes, Kirchen, Geschäfte, eine nette Markthalle und ein Einkaufszentrum in einem ehemaligen Kloster.

Der Hafen von Mahon

Wenn ein grosses Kreuzfahrtschiff angelegt hat, überschwemmen viele hundert Touristen diesen Ort.

Im Hafen von Mahon

Wer die tiefen Treppen zum Hafen hinuntergeht, kommt unweigerlich zu den Anlegestellen, wo die Schiffe zu Hafenrundfahrten losfahren.

Jetzt ist eine Hafenrundfahrt (10 Euro) ein absolutes Muss! Vorbei an einer kleinen Insel, langen Villenreihen am Ufer und umfangreichen alten Befestigungs- und Militäranlagen geht es bis zum offenen Meer und zurück. Der abwechslungsreiche Hafen ist der prägendste Eindruck, den man von Mahon mit nach Hause nimmt. Ein Tagesausflug hierhin reicht völlig.

Wer keine hohen Berge benötigt, um glücklich zu sein und etwas mehr Ruhe haben will, der sollte Menorca gegenüber seiner Nachbarinsel Mallorca den Vorzug geben.

 

So schön ein Urlaub in den südlicheren Ländern und auf Menorca auch ist, immer wieder erschreckend ist der dortige Umgang mit Tieren. Man sieht viele herumstreunende Katzen, aber auch Hunde laufen herum und man weiß nicht, ob sie irgendwo hingehören. Viele Tiere werden dort von den Menschen ohne jeglichen Respekt behandelt oder sogar misshandelt. Die Tierheime und Auffangstationen kommen nicht hinterher und müssen Hunde und Katzen nach 21 Tagen einschläfern, da der Platz für die vielen Tiere nicht reicht. Die dort ansässigen Tierhelfer haben großes Interesse daran, die Tiere in ein gutes Zuhause zu vermitteln, auch nach Deutschland. Sie werden vor dem Transport medizinisch versorgt, also gechipt, kastriert, entwurmt und auf verschiedene Krankheiten getestet. Wer sich solch ein Tier nach Hause holt, rettet im wahrsten Sinne des Wortes sein Leben. Allerdings sollte man eine gute Krankenversicherung für den Vierbeiner abschließen, eventuell auch eine Tier-OP-Versicherung, für den Fall, dass der Hund nach der Ankunft weiter medizinisch behandelt werden muss. Leider können bei lange vernachlässigten Tieren auch nach längerer Zeit noch Erkrankungen zutage kommen. Wenn man nicht die Möglichkeit hat, ein Tier zu sich zu holen, aber trotzdem helfen möchte, kann man auch eine Katzenpatenschaft übernehmen. Weitere Informationen findet man unter: http://www.tierhilfe-menorca.de/ihre-hilfe.

Horst Blume

Anmerkungen:

1. CGT: Conferderació General del treball; Infos: www.cgtbalears.org

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Etliche meiner Bilder finden Sie auch bei Panoramio

und die Videos bei YouTube

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