Reisebericht La Palma

La Palma - Die Vielseitige


Von Horst Blume

Nachdem ich bereits einmal Teneriffa bereist hatte, wurde ich erst recht auf die anderen Inseln von Lauri-Makaronesien neugierig. Die Azoren, Madeira und die Kanaren werden aufgrund ihrer floristischen Gemeinsamkeit des atlantischen Lorbeerwaldes (Laurisilva) so genannt. Da mir Teneriffa mit seinen 800.000 EinwohnerInnen in den Zentren doch etwas zu laut und hektisch vorkam, zog es mich auf das eher beschauliche und kleinere La Palma mit nur 90.000 Menschen. In vielen Büchern und Werbeanzeigen als die "grüne Insel" bezeichnet, kamen mir hingegen bei der Vorbereitung auf meine Reise die Bilder von La Palma auf verschiedenen Internetseiten überdurchschnittlich dunkel vor. Auf der Insel angekommen, wurde mir der Grund hierfür recht schnell klar. Da La Palma vulkanischen Ursprungs ist, findet man insbesondere im Süden der Insel Vulkane mit dunklem Lavagestein. Darüber hinaus werfen die zahllosen Gebirge viel Schatten und im November kommen Wolken und manchmal unbeständiges Wetter hinzu. Es kann sein, dass zwischen tiefer gelegenen, sonnigen Küstenabschnitten und den höchsten Inselgipfeln ein Temperaturunterschied von bis zu 20 ºC herrscht.

Bei der Tourenplanung sollte unbedingt berücksichtigt werden, dass es hier im November um ca. 18 Uhr dunkel wird und man sich deswegen ab 17 Uhr besser auf den Heimweg machen sollte, um nicht auf den kurvenreichen Bergstraßen mit dem Auto nah am Abgrund entlang zuschlittern. Die Tage sind sind also sehr kurz. Fahrten in Bergregionen dauern unter Umständen dreimal so lange, wie es zunächst beim Kartenstudium aussieht. La Palma wird fast durchgehend von gebirgigen Steilküsten umsäumt und gehört zu den steilsten Inseln der Welt!

Vulkane

Auf den Kanarischen Inseln haben in den letzten 500 Jahren die meisten Vulkanausbrüche auf La Palma stattgefunden. Der letzte Ausbruch war 1971 im Vulkan Teneguia bei Fuencaliente im äußersten Süden der Insel. Das "Inselgebäude" wurde in den vergangenen Jahrtausenden durch eine Vielzahl von aufeinanderfolgenden Vulkanausbrüchen auf dem Meeresgrund errichtet. Und der liegt etwa 2.000 Meter unter dem Meeresspiegel. Auch in jüngster Zeit wuchs die Insel noch verhältnismäßig schnell, da sich bei jeder Vulkanaktivität Lavaströme ins Meer ergossen und erkalteten. Der Süden von La Palma ist ein langgezogener Vulkanrücken, dem zahlreiche jüngere Vulkane aufgesetzt sind. Neben dem Vulkan Teneguia liegt der Vulkan San Antonio, der sich aufgrund seiner hübschen Gestalt und seiner guten Erreichbarkeit zu einem wahren Publikummagneten entwickelt hat.

Der Vulkan San Antonio
Der Vulkan San Antonio mit dem Dorf Fuencaliente im Hintergrund

Am Eingang zu dem dortigen Naturschutzgebiet befindet sich ein Gebäude mit Informationen über den Vulkanismus auf La Palma und einem Parkplatz, wo man 3,50 Euro Eintritt zahlen muss. Im November war es hier unglaublich windig, sodass sogar das fotografieren sehr schwierig war. Die Besucher kämpften sich mühsam auf dem Kraterrand vorwärts und mussten aufpassen, nicht weggeweht zu werden. Die Ausblicke in den Krater, indem schon erste Bäume wachsen, und in Richtung der Nachbarvulkane und zum Meer hin sind außergewöhnlich.

Vom Parkplatz aus geht es ebenfalls weiter zum Roque Teneguia und zum benachbarten gleichnamigen Vulkan. Entlang steiler Wanderwege und staubiger Pisten, die von einigen fusslahmen Touristen befahren werden, beginnt die Durchquerung der trostlosen Mondlandschaft. Nur alle paar Meter spriessen ein paar Flechten aus den dunklen Sand- und Schlackefeldern. Der Bergaufstieg ist an einigen Stellen nicht ganz unbeschwerlich, aber der Ausblick lohnt sich. Der Besuch in dieser Region war einen Tagesausflug wert, aber länger würde ich hier nicht bleiben wollen, weil diese Gegend mir auf Dauer zu unwirtlich und öde ist. Ein paar Kilometer weiter befindet sich übrigens das Anbaugebiet des süßen Malvasia-Weines. Verschiedene Weinkellereien bieten hier ihre Produkte an.

Guanchen

Auf dem Rückweg in Richtung Hauptstadt sollte man sich nochmal ein oder zwei Stündchen Zeit nehmen, um sich in der Nähe von Mazo den kleinen Archäologiepark Cueva de Belmaco anzusehen. Hier lebten in den Höhlen und unter einem großen Felsüberhang die Ureinwohner der Kanaren, die Guanchen (1) ungestört bis zum 15. Jahrhundert. Ein kleines Museumsgebäude mit Keramikgegenständen, primitiven Werkzeugen, Bildern und kurzen Filmsequenzen am Automaten berichtet über das Leben der Guanchen.

Wandbild im Archäologiepark bei Mazo
Wandbild im Archäologiepark bei Mazo

Anschließend folgt ein informativer Rundgang an dem Felsüberhang und verschiedenen kleineren Felseinbuchtungen vorbei - alles garniert mit erklärenden Schautafeln. Die zwei Euro Eintritt sind gut angelegt, erfahren wir doch ganz unspektakulär das Wesentliche über die Lebensbedingungen und die Geschichte der kanarischen Ureinwohner.

In den Wäldern der Caldera de Taburiente finden wir zwar an mehreren Stellen (gegen Vandalismus eingezäunte) Steinritzungen mit kaum noch sichtbaren Spiral-Zeichnungen, aber diese sagen für sich alleine ohne Kommentar soviel nicht aus.

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Sehen Sie dazu das Video:
"La Palma - El Paso und die "Casastea" Mai 2007"

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Das Landesinnere

Die beiden Gebirgszüge Cumbre Nueva und Cumbre Vieja teilen La Palma in eine Ost- und Westhälfte. Zwischen der Hauptstadt Santa Cruz auf der einen und dem stark wachsenden Los Llanos auf der anderen Seite des Gebirges besteht ein gewisses Konkurrenzverhältnis. Die Straße, die beide Städte miteinander verbindet, führt in dem Cumbre Nueva durch zwei über einander liegende, einbahnstraßige Tunnel, die beide über einen Kilometer lang sind. Da sie zweispurig und beleuchtet sind, ist das kein Problem. Zwischen der westlichen Tunnelausfahrt und dem Städtchen El Paso liegt die Einfahrt zum nördlich gelegenen Nationalpark Caldera de Taburiente. Bevor man von der Hauptstraße abbiegt, sollte sich mensch kurz in dem Informationshaus nicht nur allgemein über dieses hochgelegene Wandergebiet informieren und eine kostenlose, informative Karte mitnehmen, sondern aktuell nach Steinschlag, Erdrutschen und Waldbrandgefahr fragen.

Im Wandergebiet La Cumbrecita
Im Wandergebiet La Cumbrecita

Anschließend geht's mit dem Auto noch etliche Kilometer weiter zu einem der Parkplätze mit den verschiedensten Wandermöglichkeiten. Empfehlenswert ist beispielsweise der 1.854 Meter hohe Pico Bejenado mit einer herrlichen Aussicht über große Teile der Insel. Sechs Stunden sollte man insgesamt aber für diese etwas anstrengendere Wanderung einplanen. Hier in der Caldera de Taburiente findet man oberhalb der Lorbeerwaldstufe die großen Kiefernwälder. Die Nadeln der Kanarischen Kiefer sind bis zu 30 cm lang und können zusammen mit den sie teilweise umgebenen Flechten das Wasser aus den Wolken aufnehmen und tropfenweise an den Boden abgeben. Die zahlreichen Waldbrände verkraften die Kanarischen Kiefern seltsamerweise. Nur das Laub und kleinere Äste brennen ab. Der Hauptstamm trotzt dem Feuer und schlägt nach einiger Zeit wieder aus. Ein interessantes Bild.

Refugio El Pilar

Mit dem Refugio El Pilar liegt ein weiteres hervorragendes Wandergebiet ganz in der Nähe. Wer von El Paso die Haupstraße in Richtung Santa Cruz fährt, sieht problemlos kurz vor der Tunneleinmündung die Abzweigung in Richtung El Pilar. Jetzt sind es aber noch 8 Kilometer kurvenreiche und teilweise sehr enge Straßen, bis man zu einem langgezogenen, großen Waldpicknickplatz kommt. Auf den Kanaren sind diese Plätze bei den Einheimischen sehr beliebt. Holztische, Unterstände, Feuerstelle und Wasserquelle gehören hier dazu. Auf dem Weg hierhin kann man bereits an vielen Haltepunkten ein wechselndes, großartiges Panorama genießen.

Blick vom Refugio El Pilar Richtung Norden zur Caldera de Taburiente
Blick Richtung Norden vom Refugio El Pilar über El Paso zur Caldera de Taburiente

El Pilar ist für mich der schönste Ausgangspunkt aller Wanderungen auf La Palma gewesen! Etwas in Richtung Süden warten schon einige vulkanisch geprägte Berge mit dunklem Lavagestein (der Birigoyo, 1.807 Meter hoch), von denen man sogar den Teide, also den größten Berg Spaniens auf der Nachbarinsel Teneriffa, sehen kann. 

Im Norden liegt die waldreiche Wetterscheide Cumbre Nueva. Ganz oben auf dem Kamm des Gebirgszuges befindet sich ein uralter Weg, auf dem es fast ohne jede Steigung in nördlicher Richtung weitergeht. Eine ein- bis zweistündige Wanderung etwa bis zu der großen Wetterstation ist ein unvergessliches visuelles Erlebnis. Hier im Refugio El Pilar gibt es also ziemlich nah beieinander ein halbes Dutzend verschiedene, kontrastreiche Wandermöglichkeiten.

Die Westküste und ein Monster

Von El Paso kommend Richtung Westen fährt man durch Los Llanos, der zweiten großen Stadt La Palmas. Hier reicht eine gute Stunde, um den in der Nähe der Hauptstraße liegenden netten Hauptplatz in der Innenstadt auch mal gesehen zu haben. Einige Kilometer weiter erreiche ich Tazacorte. Es ist eine Art Groß-Balkon mit Blick auf die Küste. Bei einem Rundgang im Dorf finde ich mehrere kleine pittoreske Plätze, gekachelte Laubengänge und kleine Brunnen.

Es regnet etwas und ich finde beim Unterstellen Zeit, diese angenehmen Kleinigkeiten in Ruhe zu betrachten und auf mich wirken zu lassen. Den nippenden Vögeln am Brunnen zuzuschauen, die zwei diskutierenden Einheimischen im Laubengang zu belauschen, auf möglichst viel Bewegung dabei zu hoffen, um eine günstige Gelegenheit für ein Foto zu erhaschen ...

Brunnen in Tazacorte
Der Brunnen von Tazacorte

Es hört auf zu regnen, ich trete an den Meerblickbalkon. Gleich angrenzend befinden sich die weitläufigen Bananenplantagen, die den Menschen hier die letzten Tropfen Wasser rauben und ich spüre als ein in diesen Dingen geübter Agraringenieur den Chemikaliengeruch der Spritzmittel in der Nase -- igitt!

Schnell fahre ich weiter nach Puerto de Tazacorte. Hier wartet ein wahrhaftiges Ufo auf mich -- oder ist es gar ein Monster?? Ein haushohes, seltsam kugeliges Gebilde mit herausragenden Peilantennen oder Fühlern und einem großen Maul. Für die Touristen war es offensichtlich unsichtbar. Sie würdigen dieses sonderbare Ungetüm keines Blickes und streben auf die Strandpromenade zu, während ich verzückt fotografierend mich der Kugel mehr und mehr nähere, dabei mich immer wieder vergewissere, dass ich noch festen Boden unter den Füssen habe.

Das Monsterufo
Das Spaßbad-Monsterufo

Ein paar Schritte weiter und ich bin im Inneren, natürlich fotografierend, denn es ist eine völlig neue Perspektive, weil - aus den großen Löchern heraus lugen die dunklen Felsen der Umgebung herein. Dieses Monstrum ist der gründlich gescheiterte Versuch, dem Meer mit einer künstlich geschaffenen Badelandschaft, Höhlen und kugeliger Planschplattform Konkurrenz zu machen. Jetzt rottet alles auf dem Trockenen vor sich hin.

Die in der Nähe stehenden bunt angemalten Häuser mit den vielen Gaststätten sind ganz für die Touristen da und die mehrere hundert Meter hohen Felsen hinter den strohbedachten Cocktailbars haben fürsorglich ein engmaschiges Gitternetz umgehängt bekommen, damit niemandem ein Steinchen auf den Kopf fällt.

Nach diesem Erlebnis fahre ich weiter nach Norden, wo auf der Landkarte wilde Zacken schon ankündigen, dass es hier auf aller engstem Raum erst 33 Kurven nach ganz unten und dann genau gegenüber wieder 34 Kurven nach ganz oben gehen würde. Leicht schwindelig mache ich sofort anschließend Rast beim Mirador el Time, 584 Meter über dem Meeresspiegel und geniesse erstmal den tollen Ausblick über die Küstenlandschaft. - Eine typische Momentaufnahme auf La Palma. Anschließend geht es nach Tijarafe und dem weitläufigen Puntagorda, wo seit über 20 Jahren Hunderte von deutschsprachigen Aussteigern (2) ihr Glück suchen und anschließend Gutbetuchte ihre Villen.

Der Osten

Der Haupttouristenort Los Cancajos liegt gerade einmal drei Kilometer nördlich vom Flughafen und nur wenige Kilometer südlich der Hauptstadt Santa Cruz. Also ist alles sehr nah beieinander. Die ein dutzend Flugbewegungen am Tag stören nicht allzusehr, besonders wenn man den ganzen Tag woanders unterwegs ist. Bei Los Cancajos als Ausgangsquartier sollte bedacht werden, dass es von hier aus fast eine Stunde mit dem Auto dauert, bis der große Tunnel zur Westseite durchquert ist und die bevorzugten Wandergebiete im Zentrum La Palmas erreicht werden. Der Ort besteht aus einer größeren Ansammlung von Hotels und Geschäften. Er ist nicht besonders schön, aber auch nicht besonders hässlich. Die nahegelegene Hauptstadt Santa Cruz ist eine Kleinstadt mit einer großen Hafenanlegestelle. Ankert hier ein riesiger Luxusliner, hat man den Eindruck, als ob die halbe Stadt in seinem Bauch verschwinden könnte. Architektonisch bietet Santa Cruz viele schöne alte Gebäude, eine kleine Allee mit Kaffeehäuschen und angenehme Plätze. Auf der Flaniermeile befinden sich allerlei interessante kleine Geschäfte. Die Bioläden sehen hier oft noch so aus, wie in der BRD vor 20 Jahren.

Auf dem Weg von Santa Cruz nach Norden ist vor allem das idyllische und etwas verschlafene Hafendorf San Andrés unterhalb der Hauptstraße ein empfehlenswerter Haltepunkt für einen kleinen Spaziergang. 

San Andrés
San Andrés nördlich von Santa Cruz

Die große Wanderung ist etwa auf der gleichen Höhe ins Landesinnere sinnvoll. Von der Hauptstraße aus fährt man etliche Kilometer in eine sich immer tiefer in das umliegende Gebirge einschneidende Schlucht. Wir befinden uns mitten im dunklen Lorbeerwald Los Tilos. Parkplätze und ein Infozentrum sind vorhanden. Hier unten ist es empfindlich kalt und es wird erst wärmer, wenn man den recht steilen Wanderweg zum Aussichtsplatz de las Barrandas hinaufgeht. Nach einer guten Stunde wird der Wanderer tatsächlich mit einem schönen und sonnigen Panoramablick über Teile der Nordküste belohnt.

Die Straße von Santa Cruz in Richtung Norden ist erst in den letzten Jahren gut ausgebaut worden, fast schon zu gut. Denn La Palma soll ja auch im Interesse der Einheimischen bleiben was es ist: ein Geheimtipp für eher unkonventionelle, ökologisch bewusste Touristen, denen kleinere Mühen nichts ausmachen.

Horst Blume

Anmerkungen:
1. In dem Reisebericht über das benachbarte Teneriffa bin ich auf dieser Homepage schon einmal kurz auf die Guanchen eingegangen. Wer sich ausführlicher über die Geschichte der Kanaren informieren will, dem empfehle ich die großartige Homepage von Carlos Müller:
www.carlos-mueller.de

2. Wer mehr über "alternative" Unternehmen und ihr Umfeld wissen will, sollte sich folgende Homepage näher ansehen:
www.benahoare.com

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Etliche meiner Bilder finden Sie auch bei Panoramio

und die Videos bei YouTube

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