Reisebericht Niechorze

Polens Perle an der Ostsee


Express Bus in Niechorze

Schon mehrfach sind meine Freundin und ich an die Ostsee gefahren um ein verlängertes Wochenende am Strand zu genießen. Wir waren schon auf Fischland Darß, auf Rügen und an verschiedenen anderen schönen Stellen der deutschen Ostsee.

Der Abfluss des Sees "Liwia Luza" in die Ostsee

Irgendwann sind wir auch mal über die Grenze, an der polnische Ostsee entlang gefahren und waren begeistert.

Keine Zäune, schöne Strände, große Wälder und nur wenige Menschen. Knapp 60 km von Swinemünde entfernt entdeckten wir dann ein hübsches Fischerdorf dessen unaufdringlicher Charme es uns von Anfang an besonders angetan hat.

In Niechorze gibt es nichts besonders Großartiges, dieses Dorf ist ein unspektakuläres, beschaulich ruhiges Nest mit etlichen kleinen, gemütlichen Pensionen ohne jeden Hip-Bonus. Das Pfund mit dem dieses Dorf wuchern kann sind der weite, weiße Strand und die Wälder der Umgebung. Hier kann man kilometerweit am Strand entlang laufen, Meeresluft atmen und dabei wunderbar entspannen.

Niechorze bei Google Maps

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Anfang Mai 2005 fuhren wir also wieder einmal an die polnische Ostsee. Unser Ziel war Niechorze, ein kleines Dorf in Pommern zwischen Swinoujscie (Swinemünde) und Kolobrzeg (Kolberg), 250 km nordöstlich von Berlin. Wir fuhren um 8 Uhr von Berlin mit dem Zug bis Szczecin und von da aus ging es, nach fast drei Stunden Wartezeit, um 13 Uhr mit dem Bus weiter.

Der Busfahrer war ein netter Mensch der sich, trotz widriger Umstände, nicht zu Schade war einen Rollstuhlfahrer mitzunehmen. Da die Busse nicht gerade Behindertengerecht ausgestattet sind, die Türen zu eng und die Treppen zu steil, brachten wir den Mann zu zweit an Bord. Der Fahrer verstaute noch den Rollstuhl samt etlicher Tüten und Taschen unten im Bus und als der Bus losfuhr fing der gehbehinderte Passagier an zu reden. -

Der Mann kam aus einem Pflegeheim in Köln und war nun seit drei Tagen Unterwegs um Freunde in Polen zu besuchen, drei Busfahrer hatten ihn schon am Busbahnhof stehen lassen und inzwischen war er völlig am Ende. Während der 50 Kilometer bis zu seinem Ziel, erzählte er uns die Geschichte seines Lebens. Kurzfassung: 30 Jahre selbstständiger Bäckermeister, an Diabetes erkrankt, Beinamputation, bei der Scheidung fast alles verloren, den verbliebenen Rest musste er versilbern und verbrauchen um Sozialhilfe zu bekommen, Unterbringung und Bevormundung im Pflegeheim und nun hatte er die Schnauze voll und war abgehauen. -

Als wir ihn am Bahnhof in Goleniow wieder in seinen Rollstuhl gesetzt hatten, überkam mich das seltsame Gefühl, dass dies wohl eine seiner letzten Reisen gewesen sein wird. Den Rest der Fahrt verbrachte ich in Gedanken vertieft und nicht besonders kommunikativ.

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In Gryfice machten wir einen fliegenden Fahrzeugwechsel und dieser Bus brachte uns dann die letzten Kilometer bis hinein nach Niechorze. Das Wahrzeichen von Niechorze ist der schon von weitem erkennbare Leuchtturm aus dem 19. Jahrhundert. Als wir also den Leuchtturm in der Ferne sahen und der Fahrtwind immer stärker nach Seeluft roch, hellte sich meine Stimmung merklich auf.

Der Leuchtturm von Niechorze So weit das Auge reicht breiter, weißer Strand, Kiefernwälder auf der einen und die Ostsee auf der anderen Seite Hübsches, zugewuchertes Haus an der ul Parkowa mitten in Niechorze

Alles in Allem waren wir diesmal gut 8 Stunden auf Achse, ganz schön lange für 250 Kilometer. Aber was soll's, nächstes Mal schlafen wir etwas länger, nehmen einen späteren Zug und warten dafür weniger lange bis der Bus in Stettin abfährt. Wieder was dazu gelernt.

Hübsche Pension nahe des alten Dorfzentrums

Die Unterkünfte in Niechorze

Das "Baltic" liegt im alten Dorf Niechorze

Noch nicht ganz fertig gestellte Pension wunderschön gelegen im Wald am Strand

"Wolne Pokoje" - "Zimmer Frei"

Eine der Top-Pensionen mit Yogakursen und allem Drum und Dran

In Niechorze gibt es unzählige, gemütliche, kleine und mittelgroße Pensionen die Gästezimmer in allen Preisklassen anbieten und Das Hotel "Sandra" - This is Rentners Paradies .. am Ortseingang von Pogorzelica steht das 450 Betten Hotel "Sandra" mit Sauna, Pool, eigenen Masseuren und täglicher Arztvisite. Unterkünfte sind also kein Problem zumal die in Polen sogar "Super Günstig" sind.

Unser Domizil im ersten Stock mit Eck-Balkon - Pension Maya

Wir hatten uns diesmal für die Pension "Maya" in der ul Spokojna 10-12 entschieden, sie befindet sich in einer der kleinen Seitenstraßen linker Hand der Hauptstraße, von dort sind es 200 Meter Fußweg durch den Wald und schon steht man am breiten, weißen Ostseestrand.

Für das schicke Doppelbettzimmer mit Balkon und Fernseher (3 deutsche Programme), separatem Badezimmer mit Dusche, WC und Waschbecken, haben wir im Mai 2005 knapp 9 Euro - 35 Zloty - pro Person und Übernachtung gezahlt. In der letzten Augustwoche 2011 zahlten wir 15 Euro p.P. und Übernachtung.

Das Frühstück haben wir uns selbst besorgt, an Bäckereien und gut sortierten Lebensmittelgeschäften herrscht kein Mangel in Niechorze.

Das Bistro Jola

Kamin im Bistro Jola

Eine gute Küche und nette deutschsprachige Bedienungen erwarten den Gast im "Bistro Jola" direkt an der Hauptstraße.

Die Speisekarte ist Zweisprachig (polnisch-deutsch), und beinhaltet typisch polnische und internationale Gerichte wie z.B. "Wiener Schnitzel".

Guten Kaffee und eine ansprechende Auswahl an Kuchen und Torten hat das Bistro auch im Angebot. Bei den deutschen Rentnern die sich im Hotel "Sandra" verwöhnen lassen ("Sandranisten"), haben sich diese entscheidenden Vorteile des "Bistro Jola" schnell herumgesprochen, und so sind die acht Tische des Bistros in der Nachmittagszeit meistens gut besetzt. Zum Glück gibt es draußen unter den Sonnenschirmen noch ein paar Tische.

Fischerboot am Landungssteg

Ein Fischer nimmt einen frisch gefangenen Fisch aus

Frischer Fisch direkt vom Fischer am Strand gekauft

Es herrscht ein reges Treiben wenn die Fischerboote vom Meer zurück an den Strand kommen. - Video von Mai 2012 - Die Fische werden ausgenommen, geputzt und möglichst auch sofort verkauft. Was nicht direkt an den Mann oder die Frau gebracht werden kann wird in Plastikkisten verladen und von Kühlwagen abtransportiert.

Der Kopf des Schwans

Alle wollen das gleiche, Fische!

Der Schwan und sein Spiegelbild

Da wo der Süßwassersee "Liwia Luza" durch den Wald in die Ostsee fließt, konkurrieren Angler und Möwen um die Schuppentiere.

Ein Fischer sammelt vom Winde verwehte Bojen ein

Der dort ansässige Schwan schaut dem Treiben recht unbeteiligt zu und paddelt in aller Ruhe seines Weges. Dieses Idyll kann man von der Brücke an der Ortsgrenze zwischen Niechorze und Pogorzelica beobachten. Die Nebensaison an der polnischen Ostsee ist wunderbar geeignet jede Menge jodhaltige Luft und Erholung zu tanken.

Die Möwen - Raubtierfütterung

Da wo im Sommer, zwischen Mitte Juni und Ende August, der Touri-Bär tanzt, findet man von Anfang September bis Ende Mai die absolute Ruhe.

Mit den Möwen spielen und Bernstein suchen am menschenleeren Strand, stundenlange Spaziergänge durch die Wälder machen, was gibt es Schöneres um sich zu Entspannen? Bernstein finden vielleicht! Nun ja, Bernstein haben wir jede Menge und zu günstigen Preisen in den Geschäften entlang der Straße gefunden ;-)

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Etliche meiner Bilder finden Sie auch bei Panoramio

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