Reisebericht Varkala

Malabar Coast - Kerala - Südindien


Januar 2010 - Wie schon zwei Jahre zuvor, flog ich über München und Dubai nach Cochin. Diesmal war allerdings meine Freundin mit dabei und so erschienen mir die fast 24 Stunden Warten, Fliegen und Taxifahren wesentlich angenehmer als damals. Die ersten vierzehn Tage unseres Indienaufenthalts verbrachten wir zum akklimatisieren im Haus meiner Freunde in Kumily. Auf 900 Metern Höhe, in den Bergen Keralas, sind die Temperaturen deutlich niedriger und somit um einiges erträglicher als unten am Strand.

Auf die Western Ghats und Thekkady will ich an dieser Stelle nicht noch einmal ausführlich eingehen, denn das habe ich ja alles schon in dem Kumily Reisebericht von 2008 beschrieben. Schauen Sie sich das Video "Thekaddy - Elephant Camp", gedreht im Januar 2010, an.

Der Südwesten von Indien, Kerala
Originalkarte in höherer Auflösung - Quelle: PCL Map Collection University of Texas

Mitte Januar fuhren wir also die ca. 220 Kilometer Richtung Südwesten ans Arabische Meer nach Varkala. Die wunderschöne Küste im Südwesten von Indien nennt man die Malabar Coast oder auch Pfefferküste. Der Name 'Malabar Coast' leitet sich von dem Begriff 'Male' - 'Wo der Pfeffer wächst' - ab. Auch 'Malayalam', die Sprache der Bewohner der südwestlichen Küste Indiens, geht auf eben diesen Begriff zurück.

Varkala bei GoogleMaps

An der Malabar Küste mit ihren hübschen Buchten und den mit Kokospalmen gesäumten Stränden liegt, zwischen Trivandrum im Süden und Kolam im Norden, die Ortschaft Varkala. Das Besondere an diesem Teil der Küste sind die Klippen von Varkala, mit den, in den Fels gehauenen Treppen hinab zum Strand. Es gibt dort das North- und das South Cliff und dazwischen den Strand von Varkala Beach.


Das North Cliff (Flashanimation)

Am North Cliff also tobt der Touristenbär. Jede Menge Hotels, günstige Homestays und eine Promenade, mit der Klippe auf der einen und lauter bunten Läden und Restaurants auf der anderen Seite, ziehen das erlebnishungrige Publikum in Scharen an.

Mummy Bamboo House, North CliffDort am North Cliff haben wir die ersten drei Tage im 'Mummy Bamboo House' verbracht. Die sieben oder acht sauberen Zimmer werden von Mummy und ihrer Familie bewirtschaftet. Nur wenige Meter von der Promenade entfernt wohnt man dort so zu sagen 'Mitten drin', echt günstig und wie bei Muttern.

Direkt um die Ecke gibt es eine veritable Auswahl an Restaurants, Bars, Shops, unter anderem auch ein Café mit Kaffeemaschine. Jede nur erdenkliche Zerstreuung wird dort geboten. Aber nicht nur oberflächliche Unterhaltungsangebote gibt es jede Menge...

Kerala ist das Land des Ayurveda und so findet man dort Ayurveda-Hotels, -Kliniken, -Treatments, -Massagen und natürlich auch Yoga-Kurse am Strand. Besser gesagt - finden muss man die nicht, die Anbieter finden zielsicher jedes neue Touristengesicht und bieten ihre Dienste feil.

Alle hundert Meter führt eine der, mit Vorsicht zu begehenden und sicher nicht der europäischen Treppen-Norm entsprechenden, Treppen von der Promenade 30-40 Meter hinunter zum Strand. Das Wasser des Ozeans und der Strand sind einfach nur toll. Die Wassertemperaturen sind angenehm, gerade so eben nicht zu warm, der Sand ist feinkörnig und sauber, die Kulisse mit den Klippen umwerfend und die Atmosphäre ganz schön tropisch. Was will man mehr?

Na ja, in meinem fortgeschrittenen Alter vielleicht etwas Ruhe, ab und zu, nicht ständig und nur, aber schon etwas mehr als das North Cliff zu bieten hat. Also wanderten wir am Morgen des zweiten Tages den Strand entlang Richtung Süden zum South Cliff. Der Fussweg, mit dem Ozean zur Rechten, vom North- zum South Cliff dauert nur ein paar Minuten, mit dem Tuk-Tuk auf der Straße ist man mindestens genau so lange unterwegs.

Strandbesucher am South Cliff

Der Strand am South Cliff ist nicht so breit wie der am North Cliff, die Klippe ist steiler und die Treppen seltener und höher. Die gesamte Atmosphäre am South Cliff ist einfach etwas rauer und weniger vom Tourismus bestimmt. Das Beste jedoch, für meinen Geschmack: Es waren nur sehr vereinzelt Menschen am Strand. Jede Menge Pluspunkte meinerseits also für das South Cliff...

Das South Cliff Nachmittags fuhren wir mit einer Motor-Rikscha zum South Cliff und schauten uns die Sache aus ca. 40 Metern Höhe noch einmal an. Mit etwas Glück, einem gutem Gespür für Trüffel und mit Hilfe unseres Tuk-Tuk-Fahrers, fanden wir ein, von der Straße aus besehen, eher unscheinbares, kleines Hotel mit dem unspektakulärem Namen 'K. R. House'.

Spätestens, als wir um das Haus herum in den kleinen, aber feinen Garten gingen war alles klar. Kurz noch den Preis abfragen und gleich festzurren - Top. Leider mussten wir noch einen Tag warten bis das Zimmer unserer Wahl frei wurde, aber alles kein Problem, bei Mummy war's ja auch nicht schlecht.

Also verlustierten wir uns noch einen ganzen Tag am North Cliff, schlenderten über die Promenade und ließen uns, zu all den wichtigen Aspekten rund um Ayurveda, Yoga, Gold- und Silberschmuck ebenso ausgiebig wie fachkundig beraten. Sogar den Versandt der sperrigen Teile, wie z.B. Teppiche oder Klein-Möbel bis zu uns nach Hause, hätten diese Verkaufsprofis für uns organisiert. Schliesslich gingen wir, um etliches schlauer aber doch auch sehr erschöpft in einem der vielen, vielen Restaurants essen und warteten dort, was aber völlig normal für diese Touristen-Restaurants am North Cliff ist, etwas mehr als eine Stunde auf unser Essen. Null Problemo, rund herum tobt das pralle Leben und die Getränke kommen, im Gegensatz zum Essen, recht zügig.

Wir amüsierten uns also mittelprächtig, während die Nachbarn am Nebentisch, völlig entnervt nach einer dreiviertel Stunde des Wartens, ihren Tisch in der ersten Reihe, mit Blick auf den Ozean, aufgaben und schimpfend von dannen zogen. Der Tisch war innerhalb von wenigen Sekunden wieder besetzt und alles ging seinen vorbestimmten Weg, langsam aber ziemlich sicher.

Fangfrischer Fisch, wird vor jedem Restaurant direkt am Cliff angeboten
Fangfrischer Fisch, wird vor jedem Restaurant direkt am Nord Cliff angeboten

Die Moral von der Geschicht': Geh' ruhig schon Essen bestellen auch wenn du noch nicht hungrig bist! Oder: Such dir ein richtiges indisches Restaurant, dort sieht es zwar oft aus wie in einer Hinterhof-Volksküche und wohl möglich gibt's nur ein oder zwei Gerichte zur Auswahl, aber dafür geht's schnell und meistens schmeckt's auch ausgesprochen gut.

Das südindische Essen ist übrigens nicht ganz so scharf wie z.B. das Essen auf Sri Lanka, dennoch ist es gut würzig und wird fast immer mit nur wenig oder ganz ohne Salz gekocht. Also darauf achten, dass Pfeffer- und Salzstreuer in der Nähe sind oder 'Pepper and Salt' extra ordern.

Blick vom Balkon des KR House auf den Garten, die Steinbank und das Meer.Am Mittag unseres vierten Tages in Varkala zogen wir also im K. R. House ein. Wir hatten uns das Zimmer im ersten Stock mit Blick aufs Meer ausgesucht und fühlten uns dort auch sofort rundum wohl. Dass die Dusche nur kaltes Wasser lieferte hatte uns zwar kurz irritiert, aber das warme Wasser haben wir dann doch nicht wirklich vermisst. Denn, wenn man abends duschen möchte, ist das Wasser von der Hitze des Tages eh lauwarm. Das fest installierte Moskitonetz über dem Bett haben wir am zweiten Tag entfernt, Moskitos gab es zu jener Zeit (Mitte Januar)  nicht.

Morgens bekamen wir unseren Kaffee auf dem Balkon serviert und der Manager gab uns die wichtigsten Tipps für den Tag: In welchem der benachbarten Hotels kann man zur Zeit besonders gut und günstig essen und welche interessanten Festivals finden gerade wo statt und so weiter.

Wem jedoch der Sinn nicht nach hohen Dosen Kultur, sondern nach Entspanung und Faulenzen steht, der braucht sich aus dem Garten des Hotels kaum fortzubewegen. Man kann sich wahlweise in einer Hängematte herum fletzen oder mit einer Strandmatte auf die Wiese legen.

Vorne, direkt an der Klippe, stehen links und rechts zwei schattige Bambushütten mit Tischen und Stühlen und dazwischen eine einfache, steinerne Bank. Von dort aus kann man den Seeadlern beim 'Kreise ziehen' zuschauen, oder einfach nur den ganzen Tag über das Meer blinzeln und am Abend den Sonnenuntergang genießen.

Neben der Steinbank beginnt die hoteleigene Treppe, die in engen Serpentinen herunter zum Strand führt. Da vorne an der Klippe weht beständig eine steife Brise und selbst in der brütenden Mittagshitze ist es dort oben gut auszuhalten.

Der Aufwind, direkt an der Klippe, lockt alle möglichen Flieger an.

Den Aufwind an der Klippe wissen aber nicht nur Adler, Falken und Raben zu schätzen, auch etwas eigenartig in den Seilen hängende Menschen haben sichtlich und hörbar ihre Freude daran. Zwei Gleiterflieger vermieteten sich und ihre Gleitschirme an erlebnisshungrige Touristen und flogen diese dann Nachmittags an den Klippen entlang. Von dem exaltiertem Gequitsche einiger Mitflieger mal abgesehen ist dieser Platz an der Klippe ein ausgesprochen ruhiger und friedlicher Ort mit Erholungsgarantie.


Das South Cliff (Flashanimation)

Die ersten Tage am South Cliff verbrachten wir nur in der näheren Umgebung des Hauses. Faulenzen im Garten, Spazierengehen am Strand und Kochkünstler in den verschiedenen Hotels und Restaurants der Nachbarschaft ausprobieren war uns genug Aktion. Ab und zu  machten wir auch Ausflüge in die Stadt um Getränke, Früchte und Nüsse einzukaufen.

Während so einer Einkaufstour liessen wir uns von dem Tuk-Tuk-Fahrer überreden, Nachmittags mit Ihm zu einem Hindu-Fest in der Nachbarschaft zu fahren.

Elefanten bei der Prozession

Solche Feste werden, besonders in der Festivalsaison am Anfang des Jahres, täglich irgendwo in der Umgebung gefeiert. die milden GabenWie immer bei solchen Gelegenheiten in Indien, werden Elefanten auf LKWs herangekarrt und geschmückt, geführt von ihren Mahuts bilden sie einen der Höhepunkte des Umzugs.

Jeder Tempel veranstaltet mindestens einmal im Jahr eine solche Prozession mit Musik, Tanz und Elefantenaufmarsch. Die ganze Gemeinde zieht dann von Haus zu Haus und sammelt Säcke voller Reis, Obst und Gemüse für die später am Abend stattfindende Speisung der Armen. Der Priester segnet das Haus und seine Bewohner, die Helfer schleppen die milden Gaben davon und der gesamte Tross zieht weiter zum nächsten Haus.

Jede Familie gibt soviel sie kann und stellt sich so gut wie eben möglich dar. Die Fassaden der Häuser strahlen in frischem Weiss und davor stehen sie, die stolzen Mitglieder der Familie, aufs Feinste herausgeputzt, etwas nervös, aufgeregt und glücklich. Unbändige Kinder-Haarschöpfe haben sie mit Cocosfett geglättet und mit Imbrunst gebürstet, die Sonntagskleider frisch gewaschen, gestärkt und gebügelt, den Garten gewässert, die Strasse vor dem Haus blitzblank gefegt und die Gemeinschaft registriert das alles wohlwollend.

Mit dabei bei solchen Umzügen sind neben den üblichen Verdächtigen wie den örtlichen Würdenträgern, dem Bürgermeister und dem Polizeichef, auch etliche, höllisch heiße Musiktruppen und einige Götterdarsteller in bunten Kostümen.

Oh Götter erbarmet euch

Diese Götter liefern sich, bei einigen der Sammel- und Segenstops, wilde Schaukämpfe mit den ebenso bunt ausstaffierten, aber stets chancenlosen, Dämonendarstellern.

Dämonen, ohne jede Chance beim Kampf gegen die Götter

Die Musiker und Tänzer sind wild und leidenschaftlich, alle zusammen machen echt großes Theater - 'The Grand Wazoo' - Frank Zappa hätte seine Freude daran gehabt. Ein tolles Erlebniss, jede Menge Bilder und fast eine Stunde Video-Rohmaterial ...

Sehen Sie dazu das 2 minütige Video: 'Festumzug' in der Nähe von Varkala


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6 Videos gedreht im Süden von Indien
- 'Kerala' in den Western Ghats -
Januar 2010 und Januar 2008


Das Elephant Camp in Thekkady1. Indien Video 2010 'Elephant Camp' in Thekkady

Nicht weit von der Villa Prakriti, in Thekkady bietet das 'Elephant Camp' die Möglichkeit, Elefanten aus der Nähe zu betrachten und sogar auf ihnen zu reiten. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, denn meine Freundin ist, seit unserem Sri Lanka Urlaub, eine ausgesprochene Liebhaberin dieser großen, sanften Tiere ...

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'Festumzug' in der Nähe von Varkala2. Indien Video 2010

'Festumzug' in der Nähe von Varkala

Ab und zu machten wir Ausflüge in die Stadt um Getränke, Früchte und Nüsse einzukaufen.

Während so einer Einkaufstour liessen wir uns von dem Tuk-Tuk-Fahrer überreden, Nachmittags mit Ihm zu einem Hindu-Fest in der Nachbarschaft zu fahren ...

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Spaziergang am Strand von Varkala3. Indien Video 2010

Spaziergang am Strand von Varkala

Die gesamte Atmosphäre am South Cliff ist einfach etwas rauer und weniger vom Tourismus bestimmt. Am North Cliff gibt es jede Menge Hotels, günstige Homestays und eine Promenade, mit der Klippe auf der einen und lauter bunten Läden und Restaurants auf der anderen Seite ...

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Motorradtour von Kumily nach Kumarakom und retour1. Indien Video 2008

Motorradtour von Kumily nach Kumarakom

Kumarakom, liegt in den Backwaters von Kerala und ist ca. 150 km in westlicher Richtung von Kumily entfernt. Als Backwaters bezeichnet man ein System von Seen und Kanälen die sich parallel zur Küste des Ozeans, nur wenige Kilometer landeinwärts, durch die trocken gelegten Sümpfe im Westen Keralas ziehen...

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Periyar Wildlife Sanctuary - Flash Video2. Indien Video 2008

Periyar Wildlife Sanctuary - Kumily/Thekkady

Die größte Touristenattraktion in Kumily und Umgebung ist zweifellos der Periyar Nationalpark mit dem großen Stausee und dem 'Periyar Tiger Reserve'. Eine phantastische, hügelige Landschaft und eine üppige Tier- und Pflanzenwelt sind die hervorragenden Merkmale dieser Gegend...

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Sebastians AROMA Spice Garden in Kumily, 1. Mile3. Indien Video 2008 'Aroma Spice Garden' in Kumily

10 min. zu Fuß von der Villa Prakriti entfernt wohnen Sebastian und seine Frau. Die Beiden beackern mit Leidenschaft und Hingabe ihren Gewürzgarten. Der 'Aroma Spice Garden' wird ausschliesslich biologisch gedüngt und alle Arbeitsschritte sind wohl durchdacht und ökologisch sinnvoll. Nicht die Masse machts da, sondern die hervorragende Qualität der wenigen Pflanzen von jeweils einer Art...

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Etliche meiner Bilder finden Sie auch bei Panoramio

und die Videos bei YouTube

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